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Musik

«Im Duo kann man sich keinen Aussetzer leisten»

Datum10. August 2026
VerfasserkultuRorbas
AdresseNeues Kino, Strickgasse 1, 8427 Freienstein
Internetwww.kulturorbas
E-Mailmb ornbl uewinch
Telefon079 358 14 08

Beschreibung

Der Berner Saxofonist und Bassklarinettist Jan Galega Brönnimann trat schon mehrmals in Rorbas-Freienstein auf. Zuletzt mit den Trios mit den Afrikanern Ali Keita (Balafon) und Moussa Cissokho (Kora), am Sonntag, 16. August um 19 Uhr spielt er im Hof des neues Kino Freienstein im Duo mit der mit der Harfenistin Maja Taube.

Nach den Trios mit den Virtuosen auf afrikanischen Instrumenten eine klassische deutsche Harfenistin. Ist das nicht ein Gegensatz?

Ich sehe keine Gegensätze. Ich spiele so, wie ich spiele, mache meine Musik und bleibe mir treu. Doch manchmal ist mein Gegenüber etwas feiner, manchmal lauter, manchmal punkiger. Diesmal sind es eher intime, schöne Klänge. Mit anderen Bands war die Musik vielleicht aufwühlender, ging sie mehr gegen den Strich.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Maja Taube zustande gekommen?

Wir wurden zusammengewürfelt, wenn man das so nennen will. Ein Veranstalter in Ravensburg hatte die Idee, etwas Elektronik mit zwei improvisierenden Instrumenten zusammenzusbringen, die nicht so gängig sind. Er wusste, dass es eine begabte dafür geeignete Harfenistin gab, und er kannte mich, weil ich bereits mehrmals bei ihm gespielt habe. Wir sind dann zusammen mit einer dritten, für die Elektronik zuständigen Person aufgetreten, ohne zuvor geprobt zu haben. Danach kamen wir zum Schluss, dass es zwischen Maja und mir besser funkte und wir deshalb zu zweit weitermachen sollten.

Dann seid ihr durcchgestartet....

Nein, es begann eine lose Zusammenarbeit mit einem oder zwei Auftritten pro Jahr, wir kamen uns immer näher, es wurde alles intensiver. Bald es gab bald eine Tournee und auch eine CD  Wir merkten, dass sich die beiden Instrumente unheimlich gut miteinander vermischten und wir uns gegenseitig beflügeln. Wir durften bald feststellen, dass das Publikum die Musik als sehr schön und interessant empfand, vielleicht auch etwas ungewohnt, weil es eine neue Kombination von Instrumenten ist. 

Im Gegensatz zu deinen afrikanischen Bands gibt es im Duo keine Perkussion. Was bedeutet das für euer Spiel?

Wenn ich ein Schlagzeug und einen Bass neben mir habe, muss ich keine Basslinien und nie perkussiv spielen. Das ist im Duo anders. Es ist eine logische Weiterentwicklung auf meinem Weg Früher spielte ich in grösseren Bands, dann mit Ali und Moussa in Trios, und jetzt bin ich auch auf den Reiz der Duos gestossen. Mit Maja, aber auch schon mit dem Bandoneonisten Michael Zisman. Im Duo spielen beide sowohl melodisch als auch perkussiv, rhythmisch. Das hat aber auch zur Folge, dass wir mehr Nuancen aus unserem Spiel herausholen, unsere Instrumente noch mehr ausloten können.  Die Musik wird für mich so noch spannender, aber auch zerbrechlicher. Das Duo erlaubt keine Aussetzer.

Wie entstehen eure Stücke?

Wir bringen uns beide ein. Es gibt Titel von mir, die ich schon mit anderen Gruppen gespielt habe, es gibt solche von Maja, die sie schon früher gespielt hat. Und dann gibt es solche, die wir gemeinsam neu entwickelt haben.

Eure Musik entwickelt sich ja sicher im Lauf der Konzerte. Wie oft war das schon der Fall?

Vor zwei Jahren waren wir zusammen während einer Woche in Nürnberg. Da gaben wir sieben Konzerte mit jeweils zehn Stücken. So kamen 70 Aufnahmen zustande, aus denen wir die besten auswählten und eine CD machten. Wir begriffen, dass wir eine schöne Auswahl an Material hatten, und sicher hat uns die Woche auch noch nähergebracht. Es folgten zwei Tourneen im Bündnerland mit je fünf Konzerten, und eine Woche in St. Moritz, während der wir intensiv proben konnten.

Was ist für dich das Besondere an der Harfe?

Ich gebe zu, dass ich gegenüber der Harfe immer gewisse Vorurteile hatte, sie etwas kitschig fand. Doch mit Maja stellte ich fest: Harfe kann sehr schön, aber auch rhythmisch, spannend und energetisch sein. Nichts von Kitsch und esoterisch, doch das liegt auch an der Art, mit der Maja spielt. Sie ist eine eigene Stimme auf der Harfe. Als sie mir erzählte, wie sie das Ganze angeht, war ich an Moussa Cissokhos Kora aus dem Senegal  aus unserer JMO-Band erinnert. Deshalb passen eine Stücke, die ich mit Moussa spiele, auch für Maja. Kora und Harfe sind beides Saiteninstrumente und da ist vieles ähnlich. Auch umgekehrt ist möglich: Moussa hat für seine andere Band ein Stück von Maja übernommen. Das Resultat war für mich überraschend und gut.

Wie hast du unser Publikum in Erinnerung?

Als aufmerksam und kulturaffin – und eher älter. Das ist nicht abschätzig gemeint. Ein älteres Publikum ist auch treuer. Und diese Treue macht auch viele Konzerte überhaupt möglich.